Auskunfteien – Welche Daten werden verarbeitet und wer bekommt Auskunft?

Auskunfteien sind ein wesentlicher Faktor in einer Vielzahl von geschäftlichen Transaktionen. Oft ist uns gar nicht bewusst, wie oft unsere Bonität, Zahlungsbereitschaft und -fähigkeit von z.B. Dienstleistern, Unternehmen und Banken, bei denen wir Waren oder Dienstleistungen einkaufen, bei Auskunfteien abgefragt werden.

Vor allen Dingen Online-Händler haben ein gesteigertes Bedürfnis nach Risikominimierung. Schließlich steht der Kunde nicht im Laden und zahlt seine Ware direkt an der Kasse. Onlinehändler handeln im guten Glauben, dass ihre Kunden zahlungsfähig und -willig sind. Um sich ein Bild von der Bonität ihrer Kundschaft zu verschaffen, greifen daher viele Online-Händler und andere Unternehmen auf die Dienste von Auskunfteien zurück.

In welchen Fällen wird so eine Anfrage an eine Auskunftei gestellt? Bei der Aufnahme eines Bankkredits weiß eigentlich jeder, dass eine Bonitätsprüfung durchgeführt wird. Doch auch bei der Überlassung eines Mietobjekts, der Erbringung von Leistungen und Versand von Waren ohne sofortige Bezahlung geht der Vertragspartner ein finanzielles Risiko ein, das er natürlicherweise minimiert sehen will. In diesen Fällen ist ein möglicher Vertragspartner berechtigt eine Bonitätsanfrage zu stellen. Entscheidet sich die betroffene Person hingegen für Zahlung per Vorkasse, dürfen Bonitätsauskünfte nur mit Einwilligung der betroffenen Person eingeholt werden. Sollte der Kunde erneut Waren oder Leistungen nun aber auf Rechnung in Anspruch nehmen, würde wieder ein finanzielles Risiko auf Seiten des Vertragspartners entstehen, was wiederum zu einem berechtigten Interesse führt, über die Zahlungsmoral seines Kunden informiert zu sein.

Um an die Auskünfte von Auskunfteien zu gelangen, muss aber das berechtigte Interesse des Anfragenden glaubhaft dargelegt werden. Die Auskunfteien überprüfen die Gründe für das Vorliegen des berechtigten Interesses stichprobenartig. Die Gefahr, dass Nachbarn oder Dritte aus reiner Neugier an die Daten aus Auskunfteien gelangen, ist also gering.

Doch welche Daten werden eigentlich verarbeitet und übermittelt? Nach Art. 6 Abs. 1 lit. f) DSGVO sind Auskunfteien aufgrund von Interessenabwägung dazu berechtigt verschiedene personenbezogene Daten zu verarbeiten. Um Verwechslungen zu vermeiden, werden nicht nur Name, Vorname und Geburtsdatum verarbeitet, sondern auch die aktuelle Adresse und frühere Anschriften. Positivdaten zu Privatpersonen (also Informationen, die keine negativen Zahlungserfahrungen oder anderes vertragswidriges Verhalten beinhalten) können in Ausnahmefällen ebenso ohne Einwilligung der betroffenen Person verarbeitet werden, genauso wie Informationen aus öffentlich zugänglichen Registern wie bspw. Insolvenzverzeichnis oder Schuldnerverzeichnis. Über Kreditinstitute erhalten Auskunfteien Informationen über finanzielle Belastungen (z.B. Dispokredite, laufende Kredite, Bürgschaften etc.). Negativdaten dürfen Auskunfteien nur dann verarbeiten, wenn diese einen sicheren Rückschluss auf Zahlungsfähigkeit und oder Zahlungswilligkeit zulassen. Offene Forderungen dürfen nur nach mehrmaligen Mahnungen überhaupt an eine Auskunftei übermittelt werden.

Dann gibt es noch das sogenannte Scoring. Das ist ein mathematisches Verfahren, mit dem das Verhalten von Personen vorhergesagt werden soll. Die bei den Auskunfteien gesammelten Daten werden dahingehend ausgewertet, wie wahrscheinlich es ist, dass die betroffene Person ihren Verbindlichkeiten nachkommt. Mit anderen Worten, wie wahrscheinlich es ist, dass sie ihre Rechnungen fristgerecht und vollständig oder überhaupt bezahlt. Die Auswertung bildet den Score-Wert. Ein schlechter Score-Wert kann dazu führen, dass bspw. bei Onlinebestellungen bestimmte Zahlungs- oder Kreditoptionen nicht zur Verfügung stehen. Grundsätzlich ist zu sagen, dass Scoring erlaubt ist. Allerdings dürfen nicht alle Daten in ein Scoring-Profil aufgenommen werden. Daten zum Beruf, zur Höhe des Gehaltes, zur persönlichen Lebenssituation, zum Arbeitgeber oder zu den religiösen Überzeugungen haben in einem Scoring-Profil nichts zu suchen. Wie genau die Auskunfteien den Score-Wert bilden, fällt unter das Geschäftsgeheimnis. Jede Auskunftei hat ihr eigenes Berechnungsverfahren und unterschiedliche Score-Werte.

Daten, die Auskunfteien zwar verarbeiten aber nicht an Fragesteller übermitteln dürfen, sind Angaben zur Nationalität, zum Geschlecht, Familienstand, Wohndauer, Ausübung von Betroffenenrechte, Verbraucherverhalten sowie die Anzahl der eingegangenen Bonitätsanfragen. Und auch Daten aus dem Scoring-Profil dürfen nicht übermittelt werden. Lediglich der Score-Wert darf weitergegeben werden, Banken, Versicherungen, Versorgungsunternehmen oder Onlinehändler orientieren sich an diesem Wert, um das Risiko eines Zahlungsausfalls zu berechnen.