Warum der Weg zum Bäcker gefährlicher ist

Die Aufsichtsbehörden haben mal wieder ein Papier ausgespuckt, das uns Orientierung über den Einsatz von Videokonferenztools geben soll. Tut es das auch? Bei all den Diskussionen über den transantlantischen Datentransfer scheint mir ein Faktor vollkommen aus dem Blick geraten zu sein. Ganz im Gegenteil, dieser wird als solcher nur noch in seiner Extremform als gegeben vorausgesetzt: das Risiko.

All die Aufsichtsbehörden, die sich darum bemühen, uns die Nutzung von US-Tools auszureden, scheinen in ihren Darlegungen das Risiko für Betroffene überhaupt nicht mehr seriös beurteilen zu wollen. Seien wir realistisch und nehmen einmal kurz Abstand von einer dogmatischen Betrachtungsweise. Dann müssten wir bei der Beurteilung eines US-Tools wie Zoom doch klären, wie hoch das Risiko für Betroffene wirklich ist?! Ja, amerikanische Geheimdienste nutzen große Datenstaubsauger. Die nutzen sie aber nicht nur in den USA und nur bei US-Firmen, die nutzen sie weltweit. Das gehört zum Geschäft der Dienste. Aber wie funktioniert diese Massenüberwachung denn wirklich? Sitzen da tatsächlich tausende von US-Regierungsangestellten und schnüffeln in unserer dreckigen Wäsche herum? Realistischerweise Nein!

Massenüberwachung, die zweifelsfrei JEDEN von uns JEDEN Tag trifft, funktioniert anders. Massenüberwachung ist ein Ranking-Problem der vorhandenen Daten. Man könnte sagen, es geht hier um ein Anti-SEO. Hier sollte man gerade nicht auf der ersten Seite stehen. Anders gesprochen, 99% der Daten verschwinden in einem Rauschen, das nie ein Mensch zu sehen bekommt. Erst durch eine Summe von Faktoren, die zusammenkommen müssen, werden Daten so interessant, dass sie ans Licht kommen.

Bezogen auf die Nutzung von Tools im Internet werden die entstehenden Meta-Daten in unterschiedlicher Qualität von den unterschiedlichsten Geheimdiensten abgesaugt, gespeichert und automatisiert ausgewertet. Darunter sind natürlich auch europäische Dienste. In wieweit ein Mensch mit Berufung auf europäische Grundrechte tatsächlich einen wirksamen Schutz zu erwarten hat, wenn er von Überwachungen nichts erfährt, lasse ich mal explizit außen vor. Wir werden täglich massenhaft überwacht: von Geheimdiensten diesseits und jenseits des Atlantik, von Google, Facebook, Tiktok, Alibaba, Microsoft, Apple usw. Die Prinzipien sind äquivalent. Datensammlung, automatisierte Auswertung und Nutzung.

Dagegen sollten wir uns als freie Bürger zur Wehr setzen. Wir müssen das nicht akzeptieren und ein aktiver Datenschutz sollte unsere Rechte und Freiheiten auch im Digitalen schützen. Ich will nicht, dass Google mehr über mich weiß als ich selbst. Aber so zu tun, als ob unsere bürgerliche Freiheit von der Nutzung oder Nichtnutzung des einen oder des anderen Konferenztools abhängen würde, halte ich für übertrieben und wenig hilfreich.

Am Ende ist der Weg zum Bäcker ein viel größeres Risiko als die Teilnahme an einer Zoomkonferenz. Dies ist als Diskussionsbeitrag gedacht und bewußt pointiert formuliert

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